Wohin als nächstes?

Die Manhattan-Trips haben die Erlebnis-Messlatte recht hoch gesetzt und so würde der nächste Ausflug zumindest wieder phantastische Luftaufnahmen liefern können müssen. Ich schlug als nächstes Ziel die Niagara-Fälle vor – ohne es wirklich ernst zu meinen. Immerhin würde ein solcher Flug mindestens 4 Stunden dauern und die Sitze in der 40 Jahre alten Cessna 150 waren schon arg durchgesessen. Dan fand die Idee aber wieder großartig – er hatte die Niagara-Fälle noch nie besucht. Wir waren uns schnell einig, dass dies eine zweitägige Aktion werden sollte und warteten geduldig auf beständig schönes Wetter. Die Zwischenzeit nutzten wir, um die Cessna fit zu machen: wir verpassten der Maschine einen Ölwechsel, neue Reifen, einen neuen Teppich und vor allen Dingen neue Sitzpolster. Nach 2 Monaten war dann endlich ein Wochenende mit stabilem und schönem Wetter im ganzen Staat New York in Aussicht – es war nicht nur Sommeranfang, sondern auch der erste Jahrestag meiner deutschen PPL-Lizenz!

Während der Wartezeit hatte ich die Durchführung dieses längsten meiner Flüge genau durchgeplant und elektronische Flugdurchführungspläne erstellt, um sie kurz vor dem Abflug mit aktuellem Wind ausdrucken zu können, sowie das noch fehlende sectional gekauft und alle Papierkarten mit der geplanten Route versehen. Zwar würden wir an Bord gleich zwei moving maps haben (Einbauinstrument und mobiles Tablet), aber ich habe sehr gerne immer auch eine unelektronische Alternative an Bord.

  • Route von Lufker (rechts), nördlich an Manhattan vorbei (mitte) und Richtung Niagara Falls
    Route von Lufker (rechts), nördlich an Manhattan vorbei (mitte) und Richtung Niagara Falls

Bei den Flügen über Long Island hatte ich keine so aufwändige Flugvorbereitung betrieben, da es dank der Inselform eigentlich unmöglich ist, sich dort zu verfliegen. Auf dem Weg zu den Niagara-Fällen würden wir jedoch auch weitläufige und unbewohnte Waldregionen überfliegen und dort wäre ein Orientierungsverlust sehr wohl möglich und keinesfalls willkommen. Den Flug habe ich so vorbereitet, dass sich stets Flugplätze und VOR-Funkfeuer als Wegpunkte abwechselten, somit würden wir zu jeder Zeit – auch bei Orientierungsverlust – auf dem aktuellen VOR Radial zu einem Flugplatz gelangen. Wir flogen am späten Samstagvormittag los und wählten als Tagesziel Geneseo Airport (D52), etwa 50 NM östlich der Niagarafälle. 

Wir ließen Long Island bald hinter uns und unterflogen den JFK Luftraum B nördlich von Manhattan. Die Überquerung des Hudson Rivers nach New Jersey bedeutete für uns beide Neuland. Seit dem Start war noch keine Stunde vergangen, die Metropolregion New York hatte sich jedoch längst in eine ländliche Gegend verwandelt, welche dann alsbald unbewohnten state parks wich (Sterling Forest, Wawayanda State Park, High Point State Park). Über diesen war nichts als Wald in Sichtweite und die einzigen baumfreien Flächen waren Seen sowie vereinzelte schnurgerade und kilometerlange Waldschneisen für Hochspannungsleitungen. All das bot zwar einen herrlichen Anblick – ich konnte jedoch nicht ausblenden, dass ein Triebwerksausfall in dieser Gegend keine angenehme Sache sein würde.