Campen zwischen Wracks

Eingebettet in ein Tal zwischen den Pocono Mountains im Osten und den Endless Mountains im Westen sorgte die kleine Stadt Scranton (inzwischen Pennsylvania) mit ihrem Flughafen für etwas Abwechslung: der Luftraum darüber ist eine terminal radar service area (TRSA). Dies ist eine Art überwachter, aber nicht kontrollierter Luftraum in dem man Kontakt zum Lotsen aufbauen kann, jedoch nicht muss, es aber eigentlich dann doch sollte, wegen des IFR-Verkehrs im gleichen Luftraum.  Nach dem Durchfliegen und dem Verlassen der TRSA-Frequenz folgten wir dem geschlängelten Susqehanna River bis zum Bradford County Airport (N27) in Towanda, wo wir einen Tankstopp einlegten. Dank der mit Kreditkartenlesern versehenen Zapfsäulen konnten wir trotz unbesetztem Flugplatz volltanken. Den Hunger mussten wir jedoch wieder mitnehmen, es war ja niemand da, der uns etwas zu Essen hätte verkaufen können.

Der zweite Teil des Fluges verlief sehr ähnlich: wir folgten zunächst dem malerischen Flusstal etwas weiter, nach dem Ausflug aus diesem folgte eine weitere TRSA (Elmira), dann wieder unbewohnte Waldflächen ohne ernstzunehmende Notlandemöglichkeiten – dafür einen tollen Blick auf die Finger Lakes im Norden – und eine Zwischenlandung in Dansville (DSV). Zwar hatten wir noch genug Benzin aber inzwischen einen Bärenhunger und wir wussten, dass fußläufig vom Flugplatz eine mall zu erreichen war – wer schon mal drüben war, weiß dass es in den Staaten eher ungewöhnlich ist, irgendetwas fußläufig erreichen zu können. Nach einer stärkenden Mittagspause machten wir uns auf zum letzten Flugabschnitt, zum nun nahegelegenen Geneseo Airport (D52), einem für die Geneseo Airshow bekannten Grasplatz. Allerdings nicht, ohne zuvor unsere Köpfe durch das fehlenden Fenster einer 58 Jahre alten Beech Twin Bonanza zu stecken, neben der wir unsere Cessna geparkt hatten. Nun ja, eigentlich war es nur ein Wrack, denn das Flugzeug hatte keine Triebwerke mehr und Ziegelstapel füllten die beiden Hohlräume. Sehenswert war es aber dennoch, denn der verwüstete Innenraum bot einer Großfamilie von Vögeln ein Zuhause. A bird for the birds!

 

  • Zur Abwechslung mal wieder eine Landemöglichkeit (Skyhaven Airport 76N)

Nach der Ankunft in Geneseo suchten wir uns ein schönes, schattiges Plätzchen abseits des Hangars und dann ging für mich ein Wunsch in Erfüllung: irgendwo hinzufliegen und dort unter dem Flügel zu zelten! Das Zelt war ruck zuck aufgebaut und sogleich stellten wir fest, dass der Flugplatz verwaist war – der Hangar, das National Warplane Museum und die draußen stehenden Museumsflugzeuge waren aber alle geöffnet. Dies war also der reinste Spielplatz für Piloten und es gab einiges zu entdecken, unter anderem den fliegenden Güterwagon Fairchild C119 („flying boxcar“) und die angeblich letzte flugtüchtige DC3, die an der Invasion in der Normandie teilgenommen hatte. Dazu noch eine weitere DC3 außerhalb des Hangars, die ganz und gar nicht mehr flugtüchtig war und den Kampf gegen den Verfall endgültig verloren hatte. Es war jedoch ein großartiges Erlebnis, eine unverschlossene Luke zu finden, sich bis ins Cockpit vorzuarbeiten und dort Platz zu nehmen, etwas das offenbar schon seit Jahren niemand mehr gemacht hatte.

Für mich war der Tag bereits perfekt, doch der Sonnenuntergang bescherte uns noch ein weiteres schönes Erlebnis: der Flugplatz wurde regelrecht lebendig als auf einmal eine unfassbare Menge an Glühwürmchen aus allen Richtungen anfingen zu funkeln, so etwas hatte ich als ehemaliges Stadtkind noch nie zuvor erlebt. Und am späten Abend, es war schon dunkel, gab es noch eine weitere tolle Überraschung. Zur Krönung des Ganzen entdeckten wir am Platz eine Art Clubheim und dieses war, wie alles andere auch, ebenfalls unverschlossen. Wir hatten also mit einem Mal unerwarteten Zugang zu Toiletten, Duschen und sogar einer kleinen Küche. Ein traumhafter Tag ging zu Ende und dabei stand uns das Highlight dieser Reise noch bevor: der Flug zu den Niagarafällen.