Auf zum Fall der Fälle

Unnötig zu erwähnen, dass man beim Zelten zum Frühaufsteher wird. Vielleicht war es die nächtliche Kälte, vielleicht auch das Konzert an Vogelgezwitscher, das uns an diesem Sonntagmorgen schon zum Sonnenaufgang wach werden ließ. Dank des nach wie vor unverschlossenen Clubheims gab es eine warme Dusche und ein aus mitgebrachten Keksen, Tubenmarmelade und im Kühlschrank gefundener Milch improvisiertes Frühstück. Nachdem sich der Morgennebel gelegt hatte, ließen wir unser Feldlager zurück und hoben gegen 7 Uhr in Richtung der Niagarafälle ab. Wäre da nicht noch der Morgendunst, hätten wir schon kurz nach dem Start die Skyline der ca. 40 NM entfernten Stadt Buffalo erkennen können, an die wiederum die deutlich kleinere Stadt Niagara Falls angrenzt. Da wir seit Bradford County Airport nicht mehr getankt hatten und in Geneseo keine Tankstelle in Betrieb war, beschlossen wir noch vor dem Überflug der Niagarafälle am nächsten Flugplatz einen Tankstopp einzulegen.

So würden wir über den Fällen schon einige Gallonen Benzin verbraucht haben und würden beim endgültigen Abflug von Geneseo (dann mit Zelt & Co. an Bord) nicht zu schwer sein. Wir landeten also gegen 8 Uhr in North Buffalo Suburban Airport (0G0) zwecks Tankstopp, stellten jedoch fest, dass niemand vor Ort war und die Tankstelle keine Selbstbedienung ermöglichte. Nun gut, wir waren sehr früh da und es war immerhin Sonntag. Der Eintrag im AFD (airport facility directory, entspricht unserer AIP)  sowie ein Aushang am Flughafengebäude machten uns berechtigte Hoffnung, dass ab 9:30 jemand erscheinen würde, was jedoch leider nicht geschah. Da wir mit der verbliebenen Menge Benzin keinen Weiterflug riskieren wollten, machte sich Dan zu Fuß auf den Weg eine Tankstelle zu finden, während ich am Platz blieb für den Fall, dass doch noch jemand auftauchte. Nach etwa einer Stunde kam Dan mit einem geliehenen Pickup und mehreren Kanistern Autobenzin zurück. Zum Glück war die Maschine ja für Mogas freigegeben und so konnten wir bald mit fast vollen Tanks wieder abheben, diesmal auch wirklich und endlich zu den Niagara-Fällen.

  • Buffalo Suburban Airport - der Sprit so nah aber leider unter Verschluss

Bereits nach dem Start konnten wir die in die Höhe reichende Gischt erkennen, die die Wasserfälle aufwirbelten. Natürlich ist dieses wunderbare Naturspektakel ein sehr gern besuchtes Ziel und wie schon im Falle von Manhattan gibt es auch hier kein grundsätzliches Verbot, dieses zu überfliegen sondern lediglich einige flight restrictions: für einen Rundflug um die Niagarafälle muss man sich an einen veröffentlichtem Flugverlauf (flight pattern) halten und eine Mindesthöhe von 3500 ft MSL einhalten (etwa 3000 ft AGL, der Luftraum darunter erfordert eine Sondergenehmigung). Die Tatsache, dass dieser Verlauf zum Großteil im kanadischen Luftraum liegt, ist überraschenderweise völlig belanglos. So lange man nicht in Kanada landet, interessiert sich niemand für diesen Grenzüberflug, man muss weder einen Flugplan aufgeben noch sonst irgendwelche Behörden informieren.

Es gilt lediglich, wie schon über Manhattan, auf einer veröffentlichen CTAF Frequenz andere Verkehrsteilnehmer über die eigene Position zu informieren. Dazu zählen neben anderen, potenziellen VFR-Besuchern die unter 3500 ft MSL operierenden Hubschrauber. Außerdem muss man sich strikt an die nördliche Begrenzung des Flugverlaufs („Rainbow bridge“) halten, wegen der weiter nördlich stattfinden An-/Abflüge zum Niagara Falls Intl. Airport (KIAG). Übrigens sind all diese Informationen zwar veröffentlicht, jedoch nicht im sectional zu finden. Es bedarf zumindest einer Websuche um an die Kartendarstellung des Flugverlaufs zu kommen, und dabei ist es lohnend nicht nur die FAA Version sondern auch das von der kanadischen Luftfahrtbehörde (Transport Canada) veröffentlichte Dokument herunterzuladen, welches nach meinem Geschmack eine deutlich ausführlichere Darstellung hat und als einziges die (eigentlich verpflichtenden) Ein- und Ausflugpunkte aus dem flight pattern ausweist.