Über den Reichen...

Es ist einer der letzten Tage, die ich in Long Island verbringen darf und weil das Wetter so schön ist, entscheiden wir uns für einen spontanen Ausflug zur 40 NM entfernten östlichen Spitze Long Islands, nach Montauk (KMTP). Lufker liegt direkt an der westlichen Grenze des Luftraums D von Gabreski Airport (KFOK), eines zivil/militärisch genutzten und nach US-Maßstäben kleinen Airports (nur etwas kleiner als der Düsseldorfer Flughafen). Der kontrollierte Luftraum erstreckt sich bis 2600 Fuß, aber den zeitraubenden Steigflug kann man sich getrost sparen: Für einen Einflug in diese Luftraumkategorie ist in den USA gar keine Freigabe erforderlich, es reicht eine hergestellte Funkverbindung zum Tower.  So folgen wir also gleich zu Beginn in 1200 Fuß den endlosen Stränden und den Barriereinseln der Südküste von Long Island, der „Ideallinie“ nach Montauk.

Bald haben wir die malerischen Sandbänke von Mastic Beach hinter uns gelassen und erreichen inmitten des Gabreski Luftraums den Ort Westhampton, das westliche Ende der „Hamptons“. Spätestens nach wenigen Minuten erkennt man anhand der wachsenden Villengrößen und Tennisplatzdichte, dass dies keine gewöhnliche Gegend ist und dass jede einzelne Villa hier wohl mehrere Millionen Dollar wert ist. Die zahlreichen, auf Stelzen gebauten Häuser zeigen hier wie dort, dass Überschwemmungen keine Seltenheit sind und alle gleichermaßen treffen. Weiter östlich, in East Quogue, nimmt die Bebauungsdichte ab, die Golfplatzdichte zu, die Grundstücke werden größer und die Villen prächtiger.

 

  • Nach dem Abflug folgen wir Fire Island - hier Mastic Beach

Minuten später erreichen wir das Städtchen Sagaponack, das zweitteuerste Pflaster der USA, und überfliegen dort das Highlight der Hamptons: Fairfield Pond, ein Milliardärsanwesen und weltweit eine der größten privaten Residenzen - näher dran als aus der Luft kommt man als „Normalo“ wohl kaum. Weshalb die Gegend Hamptons genannt wird, erschließt sich anhand der angrenzenden Orte: Southampton, Bridgehampton, East Hampton, allesamt reich an Millionären, was nicht nur anhand der vielen Golfplätze in der Luftfahrtkarte erkennbar ist.

In East Hampton erreichen wir den gleichnamigen Airport (KHTO) und damit wieder einen Luftraum D, den wir in 2000 Fuß durchfliegen wollen. Zwar antwortet uns niemand im Tower – Ende September ist dieser nicht mehr besetzt – allerdings hören wir das self-announcement einer Citation, die gerade einen langen Endanflug meldet und der wir daraufhin unsere Position mitteilen. Wie unkompliziert doch das Fliegen sein kann. Ein Wermutstropfen, der aus der Luft nicht erkennbar ist: Offenbar gibt es aber selbst unter Millionären immer weniger Piloten. Der Flugplatz muss um seine Existenz fürchten, da fluglärmgeplagte Anwohner ausgedehnte Flugbeschränkungen erwirkt haben.