Reisen bildet

Meine Privatpilotenlizenz war erst ein halbes Jahr jung als im Februar 2014 in die Linienmaschine nach New York stieg und die Gelegenheit wahrnahm, aus beruflichen Gründen 6 Monate in den USA verbringen zu können. Ich würde auf Long Island leben, etwa 100 km östlich von New York City und überhaupt wird den USA nachgesagt, das Flieger-Traumland schlechthin zu sein. Die Entscheidung für diesen Auslandsaufenthalt fiel natürlich nicht schwer.

„Dies ist vor allem eines: eine Lizenz zum Lernen!“ sagte ein Vereins-Fluglehrer zu mir, als er mir im Sommer 2013 zur bestandenen PPL-Prüfung gratulierte. Das hatte ich mir damals zu Herzen genommen. Als ich wenige Monate später das Angebot für den Auslandsaufenthalt erhielt, war mir klar: Reisen bildet - warum sollte das nicht auch fürs Fliegen gelten? Ich musste unbedingt in den Staaten fliegen.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich bereits, dass ich mit meiner deutschen Pilotenlizenz (EASA-PPL) in den USA nicht einfach so ins Flugzeug steigen kann - zumindest nicht als Pilot. Die US-Luftfahrtbehörde FAA würde da ein Wörtchen mitzureden haben. Im September schickte ich daher den Antrag auf Anerkennung meiner ausländischen Lizenz (Verification of Authenticity of Foreign License, Rating, and Medical Certification) nach Oklahoma City ab. Bis Februar war zwar noch reichlich Zeit, aber ich dachte das kann nicht schaden. Zu Recht, wie sich herausstellte: Im November erhielt ich die Auskunft, dass der Antrag noch nicht bearbeitet sei und erst kurz vor Weihnachten den Grund hierfür: die FAA hatte zwecks Authentifizierung das deutsche Luftfahrtbundesamt angeschrieben und dort war der Vorgang monatelang liegengeblieben. Mitte Januar, also gerade noch rechtzeitig, erhielt ich die Foreign License Verification dann endlich per Post nach Hause.

  • Beruflich in den USA

Als ich im Februar in den USA ankam war an Fliegen erst einmal nicht zu denken. Der Staat New York erlebte gerade einen seiner schneereichsten und kältesten Winter seit Jahrzehnten. In Brookhaven, meiner neuen Heimat auf Zeit, sollte der letzte Schnee dieses nicht enden wollenden Winters erst am 31. März fallen. Ich hatte also genug Zeit, mich weiter um meine Lizenz zu kümmern. Die Foreign License Verification berechtigte mich nämlich noch nicht zum Fliegen, sondern nur zum Beantragen einer US-Lizenz und das musste vor Ort beim zuständigen Flight Standards District Office (FSDO) erfolgen. Das für mich zuständige FSDO, welches übrigens unseren Landesluftfahrtbe­hör­den entspricht, war am Farmingdale Republic Airport (KFRG) angesiedelt und 40 Autominuten entfernt. Der Vorgang war überraschend unkompliziert. Nach einem etwa 30-minütigen Gespräch mit dem FSDO officer, der offenbar noch nie zuvor eine EASA Lizenz oder ein deutsches Tauglichkeitszeugnis gesehen hatte, wurde mir vor Ort ein unscheinbares Stück Papier in die Hand gedrückt: meine temporäre FAA-Validation.

Es gab also keinen Überprüfungsflug, keine Wissensprüfungen, keine Kosten (!) und ich durfte ab sofort mit dem Fliegen loslegen – und das obwohl ich die eigentliche US-Pilotenlizenz in Form einer schicken Plastikkarte erst 2 Monate später bekommen würde. Ein angenehmer Kontrast zur Situation in Deutschland, wo ich nach meiner erfolgreichen, praktischen PPL-Prüfung erst einmal gar nicht mehr fliegen durfte bis mir die Lizenz zugestellt wurde, was in meinem Fall mehrere Wochen gedauert hat. Um Missverständnissen vorzubeugen: meine US-PPL-Lizenz ist zwar eine vollwertige Lizenz, die ich in den USA auch mit diversen Zusatzberechtigungen ausstatten könnte (multi-engine, IFR etc.) – sie ist aber nur eine Validation und somit nur in Verbindung mit der deutschen Lizenz gültig. Verfällt oder verändert sich letztere, ist es auch um die US-PPL-Lizenz geschehen.