Lufker

Die Flugvorbereitung ist übrigens ein Traum, da wirklich alle Informationen und Dienste, die man als Pilot braucht, kostenlos zugänglich sind. Das aktuelle amtliche Flugwetter und sämtliche Vorhersagen, alle sectionals (also VFR- und IFR Karten), airport diagrams und approach charts (ILS-Verfahren) zu allen Flughäfen, aktuelle Luftraumbeschränkungen, alle Regelwerke der Luftfahrt – all das (und noch viel mehr) ist frei und für jeden per Internet zugänglich. Sogar das persönliche telefonische weather briefing, also die offizielle Beratung zur Flugvorbereitung, ist unter einer kostenlosen Telefonnummer (1-800-WXBRIEF) erreichbar. Es wird dem Piloten leicht gemacht. Über die Webseite der FAA sind zudem zahlreiche offizielle Schulungsunterlagen frei als PDF-Download erhältlich: grundlegendes fliegerisches Wissen, Ausbildungshandbücher fürs VFR- und IFR-Fliegen, für Fluglehrer und Mechaniker, sämtliche Teststandards für die amtlichen Prüfungen… die Qualität dieser Schulungsunterlagen ist wirklich exzellent: ich habe zur Vorbereitung auf den US-Aufenthalt die US-PPL-Literatur durchgelesen und war überrascht wie viel besser sie ist als alles was ich in meiner eigenen PPL-Ausbildung an (sündhaft teurer) Fernlehrgangsliteratur lesen musste. Wer der Englischen mächtig ist, findet die Handbücher übrigens mittels einer Google-Suche nach „FAA handbooks“.  Darüber hinaus ist eine Anmeldung bei www.faasafety.org sehr zu empfehlen: dann erhält man nicht nur Ankündigungen der zahlreichen, kostenlosen FAA-Seminaren sondern auch von temporary flight restrictions (TFR), die z.B. wegen VIP movements kurzfristig aktiviert werden.

Während eines neuen Einweisungsfluges – ich hatte inzwischen Lust auf die Cessna 172 bekommen –machte mich der Fluglehrer auf einen kleinen Flugplatz unter uns aufmerksam, Lufker (49N), keine 10 km östlich von Brookhaven. Ich fand es schade, dass ich dort nie würde landen können, da der Vercharterer in seinen Mietbedingungen generell Landungen auf Graspisten und auf „kurzen“ Pisten (<3500 Fuß, also ca. 1km!) untersagte. Nun war Lufker mit 820 m für mich aber beim besten Willen nicht „kurz“, schließlich hatte ich in Neumünster von einer 600 m Piste aus das Fliegen erlernt. Ich beschloss daher, nach der Landung zu dem Platz zu fahren und zu schauen, was da so los it. Mein erster Eindruck war ziemlich ernüchternd. Die Zufahrt war eine Buckelpiste, das Flugplatzgebäude verlor offenbar seinen Kampf gegen den Verfall und war umgeben von Schrott, Müll und Katzen.

 

  • VFR Sectional von Long Island - New York City links, Brookhaven rechts

Da scheinbar niemand am Platz war, lief ich die Graspiste ab, die in einem überraschend guten Zustand war. Als ich am letzten Hangar ankam, kam mir dann doch noch ein älterer Herr entgegen und wir kamen sofort ins Gespräch. Wie sich herausstellte war er der Besitzer des Hangars und dessen Inhalts. Trotz einer Breite von nur 12 m beherbergte der Bau zwei Flugzeuge: eine Cessna 150 und einen Rutan Quickie Entenflügler. Wir verstanden uns auf Anhieb und keine zwei Stunden später saß ich im linken Sitz als wir beide von Lufker abhoben. Da ich die C152 bereits gewohnt war, fand ich mich in der C150 gleich zurecht. Nur auf eine Sache würde mich Dan (so hieß der gute Mann) dann doch noch aufmerksam machen müssen: die abweichenden Einheiten des Fahrtmessers. Ich hielt im Steigflug einen Wert von 55, also das Vx das ich aus der C152 kannte. Mir war jedoch nicht klar, dass der Fahrtmesser der C150 keine Knoten sondern Meilen pro Stunde anzeigte - ich war also nur knapp über stall speed. Glücklicherweise aber war es nicht böig und Dan hatte die geringe Fahrt bemerkt – für mich eine Lektion, die ich nicht so schnell wieder vergessen werde.

Der restliche Flug verlief aber zu beidseitiger Zufriedenheit und nach der Landung bot mir Dan an, häufiger mit ihm zu fliegen. Er würde stets nur Passagier sein, ich könnte also alle Stunden selber loggen und würde nur die Hälfte der Spritkosten tragen – da die Maschine für Mogas zugelassen war, bedeutete das für mich nur 10 $ pro Stunde. Ein echter Glücksfall!

Dan hatte zwar schon mehrere Hundert Stunden im Logbuch, schien jedoch von kontrollierten Flughäfen eingeschüchtert. Ich hingegen hatte die Ambition, gerade diese verstärkt anzufliegen um die ATC-Verfahren in C-Lufträumen zu festigen und so kamen diese Flüge uns beiden entgegen. Nachdem wir dann auch noch so ziemlich jeden anderen Flugplatz auf Long Island und den im Osten vorgelagerten Inseln (Shelter Island, Block Island, Martha’s Vineyard) abgehakt hatten, war es Zeit für eine neue Herausforderung: New York City.