Zurück nach Bayport

Am nächsten Morgen geht es nach Bayport (23N) zum Oldtimer-Fly-In. Dieses heißt eigentlich Neighborhood Appreciation Picnic und ist ein jährliches, Event, mit dem sich die ortsansässige Bayport Aerodrome Society einerseits bei den Anliegern für die Akzeptanz des Flugplatzes bedankt und gleichzeitig die Begeisterung für antikes Fluggerät pflegt. Vor einem Jahr war ich schon mal hier - auf meinem ersten Ausflug mit Dan.

Auf der Rückbank sitzt Sarah, wie ich eine flugbegeisterte Kielerin. Die Stinson hebt trotz der höheren Zuladung weit vor dem Ende der 650 m langen Graspiste anstandslos ab und wir folgen in 1000 Fuß für etwa zehn Minuten dem breiten Sandstrand der langgestreckten, Long Island vorgelagerten Barriereinsel Fire Island. Dann ist es schon an der Zeit in eine Luftraumlücke zu schlüpfen und den Anflug zu beginnen. Bayport liegt nur 3 NM südlich vom MacArthur Airport (KISP), einem von Regionalairlines stark genutzten Flughafen, und damit eigentlich inmitten seines bis auf GND abgesenkten Luftraums C (zweithöchste Luftraumkategorie in den USA). Eigens für den kleinen Grasplatz wurde jedoch eine schmale Nische in dem Luftraum geschaffen, die in 700 Fuß endet und an dessen Ende Bayport ohne Freigaben erreichbar ist. Unsere Landung gehört zu den ersten des Tages und so dürfen wir eine Parkposition direkt am Zuschauerbereich einnehmen – Aufmerksamkeit ist der Stinson also garantiert. Dank des wunderschönen Wetters sind schon zahlreiche Besucher vor Ort und die vielen historischen, am Platz beheimateten Maschinen sind alle ausgestellt oder in der Luft. Es herrscht ein reges Kommen und Gehen von Gastflügen, hin und wieder gibt es spektakuläre Massenstarts mit kostenloser Lungenbläschen-Massage durch den Sound der Sternmotoren und auch Dan wird insgesamt fünf Mal für Rundflüge mit seinem Oldtimer gebucht.

  • Fliegende Oldtimer soweit das Auge reicht...

Dabei ist die Konkurrenz nicht ohne, denn es sind wirklich viele sehr schöne Flugzeuge am Boden und in der Luft zu sehen: unter anderem mehrere Piper Cubs, Boeing Stearmans und Wacos, eine Aeronca, eine Globe Swift – ausnahmslos in einem tadellosen optischen Zustand, wie frisch aus der Fabrik, obwohl doch einige dieser Maschinen 85 Jahre alt sind. Aber hier provoziert nichts einen Museumseindruck, es sind nirgends Infotafeln oder Absperrbänder zu finden, nicht an den ausgestellten Flugzeugen und auch nicht an den ebenfalls vertretenen Oldtimer-Fahrzeugen.Hin und wieder knattert sogar ein REO One Cylinder von 1905 über das Gelände oder vorbei an dem Cadillac La Salle aus den 40ern. So stellt sich glatt das Gefühl ein, wirklich in einer anderen Zeit zu sein – verstärkt durch die vielen zeitgemäß dekorierten Hangars. Filmposter, alte Karten und andere Erinnerungsstücke zeugen davon, dass die meisten der Eigentümer hier die „gute alte Zeit der Fliegerei“ einfach weiterleben

Nachmittags schließlich, als die Besucherzahl etwas zurückgeht und es ruhiger wird, entdecken wir etwas abseits eine offene Lagerhalle und darin neben alten Luftfahrtbüchern, Nachbildungen von Luftkämpfen aus dem Zweiten Weltkrieg auch diverse alte Triebwerke. Dan staunt nicht schlecht, als wir darunter einen Franklin-Sechszylinder finden, ganz wie den in seiner Stinson. Die Zylinderköpfe tragen den Schriftzug „PZL-Franklin“ und der belegt, dass dieses Triebwerk jüngeren Datums ist: Im Jahre 1975 erwarb die polnische Regierung das gebeutelte New Yorker Unternehmen, das einst zu den „big three“ gehörte (Lycoming, Continental und Franklin) und verlagerte es nach Polen wo das Unternehmen offenbar bis heute den Boxer-Sechszylinder verkauft.