Zurück in die Zukunft

Gegen drei Uhr haben die allermeisten Besucher den Flugplatz wieder verlassen. Die Gastflugpiloten, die den Tag über mit stets neuen Passagieren in der Luft waren, haben jedoch offenbar noch gar nicht genug und beginnen mit einem Mal damit, die wenigen noch verbliebenen Gäste zu einem letzten Konvoi-Rundflug zusammenzutrommeln. Als Sarah und ich gefragt werden, ob wir heute wohl schon geflogen sind, verraten wir zwar gleich, dass wir selbst mit einem Flieger da sind – die netten Herrschaften lassen sich aber trotzdem nicht davon abbringen, uns an Bord zu nehmen und so sitzt Sarah nur wenige Minuten später auf dem Rücksitz einer silbernen US-Navy-Aeronca L-3 während ich den vorderen Platz in einer postgelben Piper-Cub einnehmen darf.

Als der Pilot „meiner“ Piper-Cub vor dem Anlassen des Triebwerks mit beruhigenden Sätzen zu beschreiben beginnt, was gleich passieren wird, verrate ich ihm natürlich, dass ich selbst Pilotin bin – eigentlich nur mit der Absicht, ihm die Einweisungs-Routine zu ersparen. Stattdessen ernte ich aber ein „Dann kannst du ja gleich selbst fliegen!“ worauf ich etwas verblüfft erwidere, dass ich eigentlich erst gestern gelernt habe, Spornrad zu fliegen und außerdem noch nie in einer Piper-Cub saß. Seine Antwort lautet kurzerhand „Kein Problem, ich bin Fluglehrer.“.  Dem habe ich dann nichts mehr entgegenzusetzen und nutze kurz darauf auf dem Weg zum Abflugpunkt die einzige Chance, mich mit dem Roll-Verhalten der Cub vertraut zu machen – sehr angespornt durch die Flugzeuge direkt hinter mir.

Offenbar habe ich die Spornrad-Lektion vom Vortag verstanden, denn auch dieser Start wird angenehm unspektakulär und nach einem 10-Minütigen Ausflug über der offenen See kehren wir wieder zurück.

  • Es gab mal Zeiten, da war dieser Preis kein Scherz.

Zwar können wir uns während des Fluges mangels eines Intercom kaum verständigen, den von hinten geschrienen Antworten entnehme ich aber, dass alles OK sei. Da ich mit dem Anflugverfahren in Bayport vertraut bin, bleibt meinem Co-Piloten auch während der Rückkehr nichts als Zuschauen und selbst die Landung verläuft offenbar ohne sein Eingreifen. So kommt der gute Mann wenigstens auch mal zu einem Rundflug als Passagier - und ich zu einem weiteren Muster im Logbuch.Zurück am Boden ernte ich einigen Lob für meinen Erstflug mit der Piper, diesmal in normaler Lautstärke. 

Kurz darauf landet auch die Aeronca – mit Sarah weiterhin an Bord, worüber ist sie nach eigener Aussage ganz besonders glücklich ist. Die für Gastflugzwecke ausgebaute Tür hinterließ eine für ihren Geschmack etwas zu große, freie Öffnung in dem schmalen Rumpf des historischen Aufklärungsfliegers. Minuten später ist aber alle Aufregung verflogen und Sarah ist sichtlich glücklicher als sie auf der gemütlichen Rückbank der Metall-Stinson mit den robusten Türen Platz nehmen kann. Keine zwanzig Minuten später steigen wir in Lufker wieder aus, Dan ruft macht seinen obligatorischen Ausruf („Den Tod wieder ausgetrickst!“) und wir nehmen den angeblich gefährlichsten Teil eines Fluges auf, die Rückfahrt nach Hause – zurück aus der Vergangenheit, womit dieser schöne Tag endet, der eigentlich eine Zeitreise war.

[Für Interessierte: Hier geht's zum Flugverlauf]